Autor Thema: Motorisierte Schützendivisionen (Motor Rifles) in Afghanistan  (Gelesen 2877 mal)

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Offline СТРИЖ

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Angespornt durch Jasiwasis Artikel über Speznaz in Afghanistan, dachte ich, ich schreibe mal etwas über:

Motorisierte Schützendivisionen (Motor Rifles) der Sowjetischen Armee im Sowjetisch-Afghanischen Krieg (1979 – 1989)

Begriffsbestimmung Motorisierte/Mechanisierte Truppen

Als „Motorisierte Truppen“ werden gemeinhin diejenigen Truppen bezeichnet, welche Ihren Einsatzort nicht ausschließlich mit Eisenbahntransporten und zu Fuß erreichen müssen. Sie sind motorisiert und werden aus Gründen der höheren Marschgeschwindigkeit mit oft geländegängigen Lastkraftwagen befördert. Davon unterschieden wird der Begriff „Mechanisierte Truppen“. Diese  verfügen darüber hinaus auch über gepanzerte Fahrzeuge („Armored Personel Carriers“ (APCs), Schützenpanzer – „Infantrie Fighting Vehicles“  (IFVs) und Andere). Teilweise werden solche Truppen im englischen Sprachraum (NATO) dann auch als „Armored Infantry“ bezeichnet.

Zum Begriff der Motorisierten Verbände und deren Entstehung in der Arme der Sowjetunion

Bemerkenswert ist, dass alle ursprünglichen Bezeichnungen der Infanterietruppenteile der sowjetischen Armee in Ihrem Namen zunächst keinen Hinweis auf Motorisierung/Mechanisierung oder etwa Panzerung (Motorized, Mechanized, Armored) trugen. Die idiomatische und gemeinhin verbreitete Übersetzung als „Motor Rifles“ stammt daher, in Bezug auf die Zeit vor 1960, nicht aus der korrekten Übersetzung der russischen Bezeichnungen, sondern eher aus der vorgenannten militärhistorischen Einordnung in die äquivalenten Truppenteile aus den im Englischen gebräuchlichen,  militärischen Gattungsbezeichnungen. Die eigentliche Bedeutung der russischen Bezeichnung ist vielmehr seit 1946 „Schützendivision“ (стрелковая дивизия) oder auch „Gardeschützendivision“ (гвардейская стрелковая дивизия). Dies Vorweg, kann jedoch festgestellt werden, dass es sich bei den Schützendivisionen der sowjetischen Armee seit dem Ende der 50er Jahre durchweg um zunächst motorisierte und später auch vollständig mechanisierte Truppenteile handelt. Erst in den 60ger Jahren stammen dann auch die russische Bezeichnung „MSD“ (МСД) welches ausgeschrieben und übersetzt „Motorschützendivision“ bedeutet (engl. „Motor Rifles“). Diese Bezeichnung tragen die Truppenteile aber immer nur in der „2ten Zeile“. Dass es sich hierbei nach der eingangs erläuterten Definition eigentlich um mechanisierte Truppen (engl.: „Mechanized Infantry“ oder „Armored Infantry“) handelt, wird im Weiteren implizit vorausgesetzt. Der Text spricht daher im Folgenden lediglich von Motorisierten Schützendivisionen und –Regimentern, da dieses dem Charakter der originären Namensgebung am Nächsten kommt.

Nach dem Ende des großen, vaterländischen Krieges 1945 wurde für die aus der „Roten“ Armee geschaffene Sowjetische Armee (Советская Армия) im Rahmen der Erneuerung der Militärdoktrin auch der Beschluss gefasst, sämtliche Truppenteile zukünftig zu motorisieren. Ziel war, einmal die Mobilität der Armeen jenseits der traditionellen Entfaltungsmechanismen durch reinen Fußmarsch mit teilweisen Infanterie-Eisenbahntransporten zu flexibilisieren und auch das taktische Zusammenwirken von Infanterie und gepanzerten Fahrzeugen gezielt zu nutzen. Die außerordentliche und grundlegende Natur der Entscheidung machte eine Umbenennung daher auch überflüssig, da es per Definition gar keine Truppenteile mehr gab, welche nicht über wenigstens eine Motorisierung mit Lastkraftwagen verfügen sollte.

Historische Entwicklung und Ziele der Motorisierung bis ca. 1970

Die Entwicklung der Mobilität fand Ende der 40ger zunächst nur entlang der verfügbaren Transportplattformen vom Lastkraftwagen (ZIL, GAZ, Ural…) über neu zu entwickelnde, gepanzerte Truppentransporter (BTR, generell: APCs) zu Schützenpanzern (BMP, BMD, generell IFVs) statt. Im Endstadium des Transitionsprozesses, etwa Ende der 50er besaß eine Schützendivision üblicherweise eine Vielzahl dieser Fahrzeuge. Für die Bereitschaftsregimenter wurde eine 100% Transportkapazität auf gepanzerten BTR-Transportern (БТР, Бронетранспортер) gefordert. Damit war es zum einen möglich die designierte Infanterie den eigentlichen Panzerverbänden unmittelbar durch fast jedes Gelände folgen zu lassen. Zum Anderen besaßen die autonomen Schützendivisionen nun auch die Möglichkeit in Konflikte ohne schwere Panzertruppen einzugreifen und dennoch das taktische Zusammenwirken zwischen Infanterie und gepanzerten Fahrzeugen zu nutzen.

Hinzu kam, dass die ersten gepanzerten Transportfahrzeuge (BTR-40, BTR-152) seit Anfang der 50er Jahre von reinen Landfahrzeugen zu Amphibienfahrzeugen (BTR-40P, BRDM-1) weiterentwickelt wurden. Die Unfähigkeit Wasser zu durchqueren, wurde vor dieser Zeit bereits als elementares Problem für die Fähigkeit der sowjetischen Armee erkannt, Kriegsschauplätze zu dominieren. Die Neuentwicklungen der 50er Jahre wurden daher ausnahmslos als gepanzerte Amphibienfahrzeuge projektiert.

In der praktischen Anwendung wurden die Schützendivisionen mit Ihren Fahrzeugen über längere Strecken auf Eisenbahnen verladen (in den Größenmaßstäben der Sowjetunion wäre eine größere Strecke eine Entfernung von über 600 bis zu vielen tausend km). Am Entfaltungsort angekommen würden die Soldaten die Fahrzeuge besteigen und so verbleibende Entfernungen zum Einsatzort überwinden. Die Sitzplätze (üblicherweise bis zu 8 Plätze) für Truppen im inneren der Fahrzeuge waren im Vergleich zur Anforderung der 100% Transportfähigkeit stets sehr begrenzt. Seit dieser Zeit sehen wir daher auch die Bilder vom „Aufsitzen“ (außen) auf den Fahrzeugen, welches das typische Erscheinungsbild der Motorisierten Truppen der sowjetischen Armee war. Nur so konnten überhaupt alle Soldaten befördert werden. Erst mit Erreichen der Zone der Kampfhandlungen würden die aufgesessenen Soldaten teilweise Ihre Plätze im Inneren der Fahrzeuge einnehmen oder zu Fuß als Nahschutz das Fahrzeug begleiten. Teilweise wurde und wird von den Soldaten auch die Überlebenschance außerhalb des Fahrzeuges höher eingeschätzt. Im Einsatz ist das Fahrzeug sowohl Waffensystem, als auch „rollende“ Deckung für die Infanteristen. Als repräsentatives Fahrzeug sei hier der BTR-60 (Einführung 1959) genannt, welcher mit seinem überschweren KPW Maschinengewehr (14,5x114mm) und einem weiteren axialem PKT (7,62x54mm) alle vorgenannten Eigenschaften (geländegängiges Transportfahrzeug, Panzerung, Waffenträger und volle Amphibienfähigkeit) verwirklicht hat. Eine typische Schützendivision der 70er Jahre hatte 2 „leichte“ vollständig mit BTR-60/70 ausgestattete Regimenter und ein „schweres“ Regiment mit BMP-1.

„Motor Rifles“ - Schützendivisionen der Sowjetischen Armee in Afghanistan 1979-1989

Innerhalb der am Einmarsch und der späteren Besetzung beteiligten 40sten Armee existierten die folgenden drei  Schützendivisionen:

•   5te Gardeschützendivision
•   68te Schützendivision
•   108te Schützendivision

Am 27. Dezember 1979 marschierten sowjetische Truppen der 5. und 108. Motorisierten Schützendivision über die Landesgrenze in Afghanistan ein. Am 25. Und 26. Dezember waren bereits 7.000 Soldaten Luftlandetruppen des 103ten WDW „Wizebsk“ und der Speznaz (ALFA), sowie ein Kommando des KGB (ZENIT) in Kabul gelandet. Ein weiteres Motorisiertes Schützenregiment (860tes), welches aber nicht zur 40ten Armee gehörte,  nahm ebenfalls am Einmarsch Teil.

Ab Januar 1980 wurden als Verstärkung zwei weitere Divisionen herangeführt:

•   201te Schützendivision bestehend aus:
o   122tes Schützenregiment, Taschkurgan
o   149te Gardeschützenregiment „Tschenstokowa“, Kunduz
o   395tes Schützenregiment, Puli-Khumri
o   220tes Artillerie Regiment, Kunduz

•   58te Schützendivision

Bereits im Februar 1980 standen 85.000 sowjetische Soldaten im Land und die Truppenstärke wurde bis 1988 weiter auf etwa 115.000 vergrößert.

Einsatzgebiete und Taktiken der Schützendivisionen in Afghanistan

Die damaligen Einsatzgebiete der Schützendivisionen lassen sich in drei Aufgabengebiete gliedern:

•   Sicherung der Einmarsch- und Konvoiwege
•   Besetzung zentraler Orte und Sicherung militärischer Objekte
•   Allgemeine Nachschub- und Transportaufgaben

Während und nach dem Einmarsch wurden die die Regimenter der Motorisierten Schützendivisionen zur Sicherung der Vormarschwege eingesetzt. Entlang der Vormarschrouten galt es wichtige militärische Ziele zu besetzen. Der Nachschub war ebenfalls zu organisieren und sicherzustellen. Die Schützendivisionen sorgten daher für die Militärische Präsenz der „Besatzungsmacht“ an eben all denen Orten, welche aus Sicht der sowjetischen Militärführung für eine erfolgreiche Okkupation besetzt werden müssen. Das waren in der Logik der sowjetischen Kommandanten Städte und Militärbasen, sowie Kontroll- und Stützpunkte entlang der wichtigsten Straßenverbindungen und Nachschubwege. Natürlich kam es hier zwischen den Soldaten und den aufständischen Mujaheddin regelmäßig zu Kampfhandlungen. Üblicherweise wurden aber die eigentlichen „Seek and Destroy“ Unternehmen den Luftlandetruppen der 103ten WDW, sowie den GRU Spetznaz überlassen. Obwohl der WDW über eigene Bodentransportkapazitäten verfügte, unterstützten die Schützendivisionen solche Hinterhalt-, Aufspür- und  Aufklärungsmissionen regelmäßig mit Ihrer Transportausrüstung. Bei den Luftlandetruppen waren diese Konvois (egal, ob mit eigenen oder mit Fahrzeugen der Schützendivisionen) gegenüber der Luftverbringung mittels Helikopter extrem unbeliebt. Hier ein Auszug aus einem Text mit Erinnerungen an die damalige Zeit:

„It was a lot easier on us when the helicopter took us into the mountains: you went to the airfield, boarded the copter, and in an hour you where there. And there – well, you’re on your own. When we went by convoy, there were always lots of problems: checking the road, and the dust and the wind. The trip was always long and uncomfortable, and they unloaded us far from where we were supposed to end up. … Getting back to base by convoy was even worse” Vladislav Tamarov, Afghanistan, A Russian Soldier’s Story, 2001

Die Bewegungsfreiheit in Afghanistan außerhalb der Städte mit schwacher Infrastruktur und relativ wenigen Straßenverbindungen stellte bald eine große Herausforderung an die Schützenverbände. Mit gewöhnlichen LKWs war diese langsam, aufwändig und auch riskant. Mit gepanzerten Truppentransportern einigermaßen beherrschbar, aber eben auch alles andere als unauffällig. Die begleiteten WDW-Kräfte fuhren daher mit dem Konvoi oft Stunden, wenn nicht auch tagelange, Umwege, um das Ziel des Konvois vor der gegnerischen Aufklärung möglichst lange zu verbergen. Die steigende Zahl von Waffen mit Penetrationswirkung auch gegenüber der Panzerung der BTRs und BMPs in den Händen der Mujaheddin, sowie die immer trickreicheren Techniken des Verminens führten bald zu einem Abnutzungsszenario auf Seiten der sowjetischen Bodenstreitkräfte, welche so auch für eine Guerilla-Krieg nicht gedacht und ausgerüstet waren. Wie in den meisten Guerilla-Warfare Szenarios ist eine Militärmacht territorialem Anspruch und -Präsenz gerade im Bereich der Bodenfahrzeuge und Festungen leicht verwundbar. Gerade diese Erfahrungen – auch von den US-Streitkräften in Vietnam gemacht – erfordern eine Verlagerung der Taktik auf „Seek & Destroy“ Missionen und eine Verschiebung der Transportaufgaben vom Boden in den Luftraum (in Vietnam der massive Ausbau der „Air Cavalry“ mit Bell UH-1 „Huey“)

Obwohl Anfangs mit sehr guten militärischen Erfolgen begleitet war hieraus resultierende Verlagerung der Kontrolle und der Versorgung in die Luft mittels Transportflugzeugen und Helikoptern wiederum durch das vermehrte Auftreten von SAM-7 und FM-92 (Stinger) Flugabwehrraketen in der Hand der Gegner schnell  begrenzt. Der US-Kongressabgeordnete Charlie Wilson hierzu vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses:

„Eine Stinger kostet den amerikanischen Steuerzahler etwa 64.000 Dollar. Eine „Hind“ (Mi-24) mit Besatzung kostet die Soviets umgerechnet ca. 20 Mio US-Dollar. Man kann recht einfach nachvollziehen für wen die Rechnung aufgeht…“

Insgesamt gingen in den zehn Jahren der Besatzung Afghanistans nach offizieller Statistik 333 Helikopter durch Feindeinwirkung verloren. Das sind etwa 3 Stück pro Monat und die verlorenen Bodenkampfflugzeuge sind hierbei noch gar nicht mitgezählt. Der Vergleich mit den Erfahrungen der amerikanischen Streitkräfte in Vietnam ist dabei gar nicht so weit hergeholt. In seinen Memoiren schreibt der amerikanische Berater des Präsidenten Zbigniew Brzeziński über den russischen Einmarsch in Afghanistan:

„die Idee… bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten .. . Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern.“

Ab 1986 etwa stellte sich daher der Militärapparat der 40sten Armee immer mehr auf einen Modus der „Fortifizierung“ der eigenen Truppenteile ein. Sich so wenig als möglich zu zeigen und damit Risiken zu vermeiden wurde bald „inoffizielle“ Doktrin. Auch die Kooperation mit dem afghanischen Militär unter General Shahnawaz Tanai war hauptsächlich die Sache der 40ten Armee. Diese Zusammenarbeit stellte sich jedoch bald als problematisch heraus, da die afghanische Armee seit je her unter einem extremen Anteil an Desertationen litt. Im gleichen Maße waren die afghanischen Soldaten weniger am Sieg des Kommunismus, als an den monatlichen Gehaltszahlungen interessiert. Schließlich hatte die sowjetische Militärführung für die afghanischen Soldaten regelmäßig die Rolle der „Drecksarbeit“ vorgesehen, während sowjetische Truppen z.B. Mienenräumaufgaben aus der relativen Sicherheit Ihrer APCs beobachteten. Schon sehr bald nach dem Einmarsch wurde klar, dass die Sowjetische Armee alle wesentlichen Stützpfeiler Ihrer territorialen Okkupation im eigensten Interesse selber gewährleisten mussten.

Die dennoch unvermeidlichen Konvois wurden dabei in folgender Konfiguration durchgeführt: An der Spitze des Konvoi fuhr das Fahrzeug mit der stärksten Bewaffnung und besten Panzerung. Dies war – sofern verfügbar - oft ein BMP-1. Danach folgten weitere Truppentransporter – zumeist BTR-60 – für den Begleitschutz und bei Transportmissionen einer oder mehrere Lastkraftwagen sowie evtl. WDW-Fahrzeuge wie BMD-1 oder auch UAZ. Zum Schluss fuhr oftmals ein Bergefahrzeug mit aufgesessenem Reparaturtrupp. In jedem Fall bildete den Schluss ein weiteres gepanzertes Fahrzeug. Die Verteidigungstaktik des Konvois im Falle eines Hinterhalts war recht simpel. Das erste Fahrzeug hielt bei Beschuss oder Mienenwirkung zunächst automatisch an, während die nachfolgenden Fahrzeuge versuchten eine Art von Flankensicherung herzustellen. Dies war in den Bergregionen genau dort, wo die Mujaheddin den Hinterhalt geplant hatten, oft nicht ohne weiteres möglich. Ein Zurücksetzen des gesamten Konvois schied auf Passtraßen ebenfalls aus. In übichen Manöver fuhr das folgende Fahrzeug an das Getroffene heran, um dessen Besatzung (sofern möglich) aufzunehmen und das getroffene Fahrzeug - sofern fahrunfähig - wegzuschieben. Es galt: sofern möglich muss der Konvoi in Bewegung bleiben und aus der Bewegung heraus den Feind bekämpfen. Weiterhin galt auch im Infanteriekampf: der Soldat, welche sich am nächsten zum Feind befindet, zieht im Falle eines Hinterhaltes das Feuer auf sich (möglichst in Deckung natürlich) und ermöglich so den hinter Ihm liegenden Kameraden einen Rückzug. Die sich zurückziehenden Soldaten versuchen dann den Angreifer oft in zwei Richtungen zu flanken. Sofern das erfolgreich war, kann der „eingegrabene“ Kamerad hoffentlich unbeschadet aus der Geschichte herausgeholt werden. Die Alternative ist ein Sprint von 30-100 Metern – zumeist direkt entgegen der eigenen Feuerrichtung, während die flankenden Kameraden nun ihrerseits das Feuer des Gegners auf sich ziehen. Getroffene Fahrzeuge wurden – sofern ein Feuergefecht im Gange war – sofort aufgegeben und teilweise auch von nachfolgenden Fahrzeugen „über die Klippe“ geschoben. Es galt darum den Konvoi neben der kontinuierlichen Bewegung auch in einer einigermaßen geschlossenen Formation durchzubringen, um die Kampfkraft weiterhin aufrecht zu erhalten. Während eines solchen Feuergefechtes verließen üblicherweise alle Infanteristen die Fahrzeuge und versuchten den Gegner durch Flanken und Vorrücken abzuwehren. Hierbei galt es ebenfalls immer nahe der  „Höhe“ des Konvois zu bleiben.

In den bewaffneten Fahrzeugen (BMP, BTR) verbleiben natürlich die Besatzungen und – sofern einsatzfähig – eröffneten diese aus den Bordwaffen Ihrerseits das Feuer. Das Fahrzeug des Konvoi-Kommandanten war üblicherweise das Zweite oder Dritte im Tross. Aber natürlich war das – wie vieles Andere – kein Gesetz… Dieser musste darauf achten, dass Infanteriebewegung und Konvoi-Vormarsch zusammenblieben, damit die eigenen Kräfte nicht irgendwann "abgehängt" werden. Dies erforderte dann auch zuweilen das Anhalten des Konvois an günstiger Position, um eigene Kräfte zumindest in der „Höhe“ aufschließen zu lassen. Diese befanden sich nch einem Angriff zumeist bereits hoch über dem Konvoi am Hang. Hierfür gab es eine weitere Regel: bekämpfe den Feind immer von oben. Das heißt: sorge dafür, dass der Feind sich unter dir befindet. Das zu bewerkstelligen, ist im Fall eines Hinterhaltes wo der Feind schon von vornherein aus einer höheren Position über der Straße feuert, keine leichte Sache. Wenn man weiterhin davon ausgeht, dass tagsüber Temperaturen von über 40 Grad herrschten und die Soldaten von der Fahrt, dem Staub und dem Lärm ihrer APCs erschöpft und fast taub auch noch den Berg hinauf stürmen mussten, dann kann man erahnen, dass es hier nicht oft zu spektakulären Flankenverteidigungen kommen konnte.

Aus heutiger Sicht passierten die spannenden Kapitel des Afghanistan-Krieges bei den Luftlandetruppen und Speznaz. Man vergisst dabei jedoch, dass 3 von 4 Soldaten im Sowjetisch – Afghanischen Krieg zu den Motorisierten Schützentruppen / Motor Rifles gehörten, welche oft ebenfalls in ebendiese spektakulären Operationen involviert waren. Darüber hinaus gehörte es zu ihren Aufgaben die Kriegsmaschinerie der gesammten Besatzungsmacht am Laufen zu halten. Dieses Ziel wurde, in Anbetracht aller Schwierigkeiten und der der begrenzten vorhandenen Ausrüstung, dennoch fast immer erreicht.

Literatur über genau das Thema ist schwer zu finden und ich würde gerne den Artikel weiter überarbeiten. Bestimmt habe sich auch der eine oder andere Fehler eingeschlichen, da die Anzahl der Quellen recht überschaubar war. Die von mir verwendete Literatur beinhaltet (hab' aber noch nicht alles ganz durch…):

„Feast of Bones“ - Daniel P. Bolger
“The Bear Went Over the Mountain: Soviet Combat Tactics in Afghanistan” (10th Anniversary Edition) - Lester W. Grau
“The Hidden War: A Russian Journalist's Account of the Soviet War in Afghanistan” - Artyom Borovik
“Afghanistan: A Russian Soldier's Story” - Vladislav Tamarov
“ Soviet Occupation of Afghanistan” - John Fullerton
“Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan, and bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001”  - Steve Coll
“The Great Gamble: The Soviet War in Afghanistan” - Gregory Feifer

Wer noch spannende Buchtipps hat – immer her damit!

Ich würde gerne noch etwas über die Ausrüstung der den Motorisierten Schützentruppen / Motor Rifles schreiben. Hier im Forum steht dazu auch vereinzelt etwas, aber vielleicht schlummert ja Wissen in der Schublade, welches Ihr hier zur Verfügung stellen möchtet...

Edit: Wer weiss etwas über den "Glas-Stoff" (Glas-Fabric), der bei den Uniformen der Motor Rifles offenbar auch zum Einsatz kam?
« Letzte Änderung: 01:15, Di 07. Jun. 2011 von СТРИЖ »
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Re:Motorisierte Schützendivisionen (Motor Rifles) in Afghanistan
« Antwort #1 am: 14:29, Mo 06. Jun. 2011 »
Ich würd bei der initialen Definition den part mit der Eisenbahn schon abändern. Wie Du später richtig bemerkst, schließt die Motor(Mechani)sierung der Truppenteile den Eisenbahntransport nicht aus, teilweise wird er dadurch erst überhaupt notwendig.
Außerdem solltest Du u.U. darauf eingehen warum die Sowjets so eine radikale Wende (vom 2.WK bis Ende der 50er) vollzogen haben.

Bez. dem Sitzen auf den Fahrzeugen statt darin: einige Soldaten haben auch berichtet Sie sind deshalb oben drauf gesessen weil da die Überlebenschance höher war/ist als drin.

gibt aber auf jeden Fall ein Karma plus :)

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Re:Motorisierte Schützendivisionen (Motor Rifles) in Afghanistan
« Antwort #2 am: 14:52, Mo 06. Jun. 2011 »
Ich würd bei der initialen Definition den part mit der Eisenbahn schon abändern. Wie Du später richtig bemerkst, schließt die Motor(Mechani)sierung der Truppenteile den Eisenbahntransport nicht aus, teilweise wird er dadurch erst überhaupt notwendig.
Außerdem solltest Du u.U. darauf eingehen warum die Sowjets so eine radikale Wende (vom 2.WK bis Ende der 50er) vollzogen haben.

Bez. dem Sitzen auf den Fahrzeugen statt darin: einige Soldaten haben auch berichtet Sie sind deshalb oben drauf gesessen weil da die Überlebenschance höher war/ist als drin.

gibt aber auf jeden Fall ein Karma plus :)

dank für die Anmerkungen Jay... Änderungen habe ich im Text gemacht.

Zu den Zielen (und damit natürlich implizit auch zu den Gründen) der Motorisierung habe ich im folgenden Satz eigentlich schon alles mir bereits bekannte eingebaut: "Ziel war, einmal die Mobilität der Armeen jenseits der traditionellen Entfaltungsmechanismen durch reinen Fußmarsch mit teilweisen Infanterie-Eisenbahntransporten zu flexibilisieren und auch das taktische Zusammenwirken von Infanterie und gepanzerten Fahrzeugen gezielt zu nutzen."
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Re:Motorisierte Schützendivisionen (Motor Rifles) in Afghanistan
« Antwort #3 am: 15:00, Mo 06. Jun. 2011 »
Naja, damit hast du die Charakteristik der modernen Taktik der kombinierten Waffen dargelegt, aber das erklärt noch nicht das Warum ;)
Die Beweggründe der Sowjets waren zweifelsohne im letzten Großen Krieg zu suchen und das angenommene Bedrohungsszenario danach.
Die Sowjetunion rechnete mit einem Panzerkrieg in Europa, vor diesem Hintergrund ist es verständlich dass, im Gegensatz zu vielen anderen Armeen, 100% Transportkapazität geschaffen wurde.
Entsprechend sahen auch die Pläne für so einen Fall aus.

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Re:Motorisierte Schützendivisionen (Motor Rifles) in Afghanistan
« Antwort #4 am: 01:17, Di 07. Jun. 2011 »
Guter Punkt! Das klingt fast so, als wäre die Recherche der Gründe für die 100% Motrisierung fast ein eigenes Kapitel wert. Ich jedenfalls habe gerade keine aktuellen Quelle und könnte darüber nur Vermutungen anstellen...
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Antw:Motorisierte Schützendivisionen (Motor Rifles) in Afghanistan
« Antwort #5 am: 16:25, Fr 20. Apr. 2018 »
Diese Thema ist zwar schon uralt, aber trifft genau das was ich jetzt suche.
Wenn ich das von meiner Bildersuche her allgemein richtig verstanden habe, gab es, was Einheitsabzeichen(auf Afghankas!) der eingesetzten Einheiten angeht, nichts oder nicht viel, oder?
Wenn ja, gibts was belegtes, was ich verwenden könnte im Display?(nicht Softair). Oder ist generell keine Abzeichen realistischer? Sollte die Frage hier nicht reinpassen, bitte Bescheid sagen oder verschieben. Gruß Mikka